Kirchentonarten, Kirchentöne

In Glossar / Harmonielehre

Die bis zum Frühbarock (um 1600) gebräuchlichen, von der mittelalterlichen Musiktheorie beschriebenen Tonarten.

Zu jeder dieser authentischen Tonleitern gehört eine plagale, die durch Versetzung des oberen Tetrachords (der oberen vier Töne) um eine Oktave nach unten gebildet wurde. Die Finalis (Schlusston) ist für die authentische und die jeweils zugehörige plagale Leiter dieselbe; der Reperkussionston (Rezitationston), der am häufigsten auftretende Ton einer kirchentonartlichen Melodie, ist dagegen jeweils ein anderer.

Die äolische und die ionische Kirchentonart (aus denen die späteren Tongeschlechter Moll und Dur hervorgingen) wurden erst 1547 von Glarean in die Musiktheorie eingeführt. Lokrisch ist eher hypothetisch, spielt aber mittlerweile eine Rolle im Jazz. In der Musik nach 1600 wurden die Kirchentonarten ungebräuchlich und allmählich fast vollständig durch das Dur-Moll-System abgelöst.

Die Kirchentonarten unterscheiden sich (wie Dur und Moll) durch die Lage der Halbtonschritte und werden durchnummeriert:

TonartNr.FinalisRepercussaBesonderheit
dorischIdadorische (große) Sexte (statt kleiner Sexte wie in Moll)
hypodorischIIdf
phrygischIIIecRepercussa weicht aus; phrygische Sekunde zu Beginn
hypophrygischIVeaRepercussa weicht analog aus; phrygische Sekunde zu Beginn
lydischVfclydische (übermäßige Quarte
hypolydischVIfa
mixolydischVIIgdkleine Septime (statt großer wie in Dur
hypomixolydischVIIIgcRepercussa weicht aus

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