Der E-Bass im Ton-Studio

Aufnahmetechnik

E-Bässe werden im Studio meistens über eine DI-Box oder spezielle Vorverstärker direkt an das Mischpult angeschlossen, sodass die Aufnahme des Verstärkers mit einem Mikrophon häufig nicht mehr notwendig ist. Trotzdem sind viele Sounds wie zum Beispiel der typische Verzerrersound eines Verstärkers, auf rein elektronischem Weg nicht befriedigend realisierbar. In diesem Fall - oder wenn der Bassist seinen bestimmten Sound auf Band haben will - wird auf einen Amp zurückgegriffen. Bassverstärker sind in der Regel mit einem 15-Zoll-Speaker oder zwei bzw. vier 10-Zoll-Speakern ausgestattet. Bei der akustischen Aufnahme wird das Mikrophon nur gegen einen Lautsprecher gerichtet, die Ausrichtung ist auf jeden Fall sehr entscheidend für die gute Wiedergabe des Verstärkersounds. Je dichter man das Mikrophon am Lautsprecher aufstellt, desto entscheidender ist die Ausrichtung. Im allgemeinen beträgt der Abstand des Mikros 5 bis 20 cm. Speziell für die Aufnahme von Instrumenten mit einem hohen Tiefenanteil (E-Bass, Kontrabass, Bassdrum, Baritonsax) wurden Mikrophone wie das D112 von AKG oder das M380 von Beyerdynamic entwickelt. Die Aufnahme elektronischer Instrumente und Gitarren ist im Grunde sehr unkompliziert, denn sie werden direkt ans Mischpult angeschlossen. Nur sind die Mikrofoneingänge eines Mischpultes nicht für Signale von Bassgitarren ausgelegt. Der Eingangswiderstand (=Impedanz) des Mikrophoneingangs beträgt ungefähr 2 k-Ohm, was für den angeschlossenen E-Bass zu gering ist. Um einen möglichst linearen Frequenzgang zu erreichen, arbeitet man in der Tonstudiotechnik mit der sogenannten Überanpassung, was bedeutet, dass der Eingangswiderstand eines Mischpultkanals um ein Vielfaches höher liegt als der Ausgangswiderstand eines angeschlossenen Instrumentes. Dabei wird ein Verhältnis von wenigstens 25:1 angestrebt, in der Praxis aber nicht immer eingehalten. Bei einer Aufnahme mit einem Bass, der direkt an`s Mischpult angeschlossen wird, kann man also sicher keinen Hifi-Sound erwarten, das Ergebnis wird dumpf klingen und ohne Dynamik. Eine kleine Rolle spielt dabei, ob der E-Bass aktiv oder passiv ausgelegt ist. Bei einem passiven Instrument mit einem relativ hohen Ausgangswiderstand wirkt sich dieser Effekt der Fehlanpassung von Impedanzen wesentlich stärker aus, als bei einem aktiven Instrument, welches einen relativ geringen Ausgangswiderstand aufweist. Der Anschluss elektronischer oder elektroakustischer Instrumente sollte deshalb grundsätzlich über eine DI-Box (=Direct-Injection-Box) erfolgen. Diese Boxen sorgen für die notwendige Anpassung und Konvertierung des unsymmetrischen Instrumentensignals in ein symmetrisches. Die einfachsten Modelle solcher DI-Boxen sind passiv und bestehen lediglich aus einem Symmetrier-Übertrager. Die aktiven Boxen sind um einiges variabler, werden durch Batterie oder Phantomspeisung versorgt und bieten eine veränderbare Verstärkung, wodurch sie optimal an die Erfordernisse angepasst werden. Eine gute DI-Box sollte einen Schalter besitzen, der die Abschirmung von Instrument und Mikrophoneingang auftrennt, den sogenannten Ground-Lift. Damit werden mögliche Brummschleifen sicher unterbrochen.

Abmischen

Das Bass-Signal durchläuft bei der Abmischung verschiedene Stationen. Zuerst wird das Signal in einem Equalizer bearbeitet, der Fachausdruck dafür ist Entzerren. Danach muss die Lautstärke des Instrumentes über den Fader eingestellt werden und meistens durchläuft ein Bass-Signal auch einen Kompressor, entweder vor oder nach dem Equalizer, bzw. Lautstärkeregler. Die Entzerrung, also die Veränderung der Klangfarbe eines Instrumentes, gehört zu den Hauptaufgaben eines Toningenieurs. Beurteilt werden diese Veränderungen in erster Linie durch das Gehör und die Erfahrung, letztlich aber auch durch den Geschmack des Toningenieur oder Produzenten. Trotzdem gibt es einige Gesichtspunkte, die helfen können, eine gewünschte Entzerrereinstellung zu finden. Ich beschränke mich im Folgenden nur auf den E-Bass, man könnte über dieses umfangreiche Thema ganze Bücher füllen, in diesem Sinne handelt es sich nur um eine kleine Einführung. Das Frequenzspektrum lässt sich in vier Bereiche einteilen: Tiefen, untere Mitten, obere Mitten und Höhen.

Tiefen (20 Hz bis 200 Hz)

Eine Veränderung im Tiefenbereich betrifft den Grundtonbereich des Basses. Dieser Bereich ist nicht nur hör-, sondern auch fühlbar. Eine Tiefenanhebung bewirkt mehr Druck und Power, umgekehrt können zu wenig Tiefen den Sound kraftlos machen.

Untere Mitten (200 Hz bis 1 kHz)

Eine Entzerrung führt in diesem Bereich zu einer drastischen Änderung des Klangeindrucks. Ein Bass klingt durch eine Anhebung im Bereich von 200 Hz wärmer, ohne unklar zu werden. Eine Anhebung im Bereich von 500 bis 1000 Hz dagegen führt bei den meisten Instrumenten zu einem "hornähnlichen", nasalen Klang. Eine Anhebung im Bereich von 1000 Hz wiederum aber einen Bass-Sound zu mehr Präsenz im Klangbild verschaffen.

Obere Mitten (1 kHz bis 5 kHz)

Eine Anhebung im oberen Mittenbereich bringt mehr Klarheit, Durchsichtigkeit und Brillanz in ein Klangbild. Ein zu hoher Anteil bei 1000 Hz bis 2000 Hz kann aber auch zu einem dünnen Sound führen, der schnell zu Verzerrungen und einem "näselnden" Klang führt.

Höhen (5 kHz bis 20 kHz)

Der Höhenanteil besteht nur noch aus Obertönen und den Geräuschanteilen der Instrumente. Die gebräuchlichsten Höhen liegen zwischen 5 kHz und 10kHz. Beim Bass bringen diese Frequenzen eigentlich nur etwas, wenn die Saiten noch frisch sind.

Effekte

Der moderne Bass-Sound wird immer wieder mal mit Effekten "verschönert", manchmal auch "verschlimmbessert". Es folgt eine Auflistung von üblichen Effekten, die im Studio benutzt werden oder auch in einer Livesituation eingesetzt werden. Diese Geräte motzen im Idealfall den Sound auf, wenn sie aber falsch eingesetzt werden, lassen sie den Basston zu einem undefinierten Etwas mutieren. Eine intensive Beschäftigung mit den Geräten braucht es auf jeden Fall, nur schon, um die ganzen Möglichkeiten, die einem Effektgeräte bieten, wirklich sinnvoll einsetzen zu können.

Compressor/Limiter

Der Compressor ist eine Art "automatischer" Regler: Übersteigt das Eingangssignal einen bestimmten Wert, wird die Verstärkung des Kompressors verringert, das Ausgangssignal also gedämpft. Oder einfach gesagt:Er macht die lauten Töne leiser und die leisen Töne lauter. Das Resultat ist ein druckvoller, sauberer und gleichmässiger Sound, ohne den die wenigsten Musikproduktionen von heute nicht denkbar sind. Ein Limiter ist ein extrem eingestellter Compressor, der ab einem bestimmten Pegel das Signal begrenzt und so die Übersteuerung nachfolgender Komponenten verhindert. Dieser Effekt wird oft auch zum Schutz vor Speakerschäden eingesetzt.

Expander

Der Expander hat die umgekehrte Funktion des Kompressors. Er verindert seine Verstärkung, wenn das Eingangssignal unter eine bestimmte Schwelle abfällt und expandiert damit dessen Dynamik. Expander werden in Studios in der Praxis zur Unterdrückung störender Hintergrundgeräusche oder Bandrauschen eingesetzt.

Equalizer

Der EQ kommt in jeder Musikproduktion zum Einsatz, ebenso findet man diesen "Effekt" in jedem Verstärker, meistens in der Form eines linearen oder parametrischen Equalizers. Für den Bassisten kann ein separater EQ nützlich sein, um bestimmte Solosounds voreinzustellen, um diese dann während des Gigs abzurufen. So kann man zum Beispiel Pegelverluste ausgleichen, die durch den Einsatz von anderen Effektgeräten verursacht worden sind.

Reverb

In den meisten Studios verwendet man heute nur noch digitale Hallgeräte (siehe Digital Delays). Mit einem Digital Reverb versucht man, die Reflexionen und den Nachhall natürlicher Räume auf elektronisch simuliertem Weg nachzubilden. Damit vermag man bestimmte Stimmungen zu erzeugen und den Klang insgesamt abzurunden. Der Reverbeffekt ist sicher kein typischer Basseffekt und wird auf diesem Instrument vor allem bei Solo-Passagen verwendet. Ein Einsatz dieses Gerätes in einem Groove würde die Basslinie im erzeugten Effekt verschwimmen lassen.

Digital Delay

Heute findet man in Studios fast nur noch digitale Verzögerungsgeräte. Das analoge Eingangssignal wird von einem Analog/Digital-Wandler in digitale Informationen umgeformt und in einem RAM-Speicher für eine gewisse Zeit gespeichert. Diese Zeit bestimmt die Verzögerung des Eingangssignals. Anschliessend wird das Signal über einen Digital/Analog-Wandler wieder ausgegeben. Das Digitale Echo wird oftmals benutzt, um längere Passagen einzuspielen, um sich dann vom eben Eingespielten begleiten zu lassen, während man solistisch in höhere Gefilde abdriftet. Ein anderer Einsatzbereich dieses Gerätes ist die Simulation von Short Delays, kurze Verzögerungszeiten mit harten Klängen. Mit den meisten Geräten lassen sich auch andere Effekte simulieren wie Modulation, Chorus oder Flanging.

Harmonizer

Der Harmonizer ist ein digitales Gerät, mit dem eingespielte Töne in beliebige andere Töne transponiert werden können, einstimmig oder mehrstimmig. Der Einsatz dieses Effektes beschränkt sich im realen Leben eines Bassisten aber sicher auf das wesentliche wie Octaver-Effekte oder kleinste Verschiebungen im Tonraum, um einen Chorus zu simulieren.

Phaser

Phasing beschreibt einen Effekt, der mehrere "Löcher", sogenannte Notches, in den Frequenzgang einfügt, und zwar so, dass sich die Frequenz der Notches kontinuierlich verschiebt. Der Phaser ist ursprünglich ein analoges Gerät aus den Sechzigern, der damals sehr beliebt war, heute aber kaum noch Verwendung findet, obwohl er immer noch seinen Reiz hat. Der Effekt tönt für mich, wie wenn ein Düsenjet durchs Wohnzimmer fliegt, natürlich ein weniger leiser als im Original.

Distortion

Der Verzerrer ist nicht unbedingt ein Bass-Effekt, wird aber seit ein paar Jahren auf dem Bass immer mehr eingesetzt, dies vor allem im Rock- bis Hardrock-Bereich. Eine Verzerrung entsteht, wenn man eine Vorstufe - idealerweise in Röhrenschaltung ausgelegt - mehr oder weniger stark übersteuert. Dadurch erhält der Ton eine Menge mehr Obertöne und klingt sehr dicht. Nur so lassen sich die zwanzigfach eingespielten Hardrock-Riffs bewerkstelligen.

Chorus

Der Chorus bildet elektronisch nach, was beim Zusammenspiel mehrerer Musiker, beispielsweise einer Streichergruppe, auch auftritt, nämlich eine gewisse "unpräzise" Spielweise, die sich durch minimale Zeitunterschiede beim Einsatz und geringste Tonhöhenunterschiede bemerkbar machen. Der Chorus ist für den Bass gut einsetzbar und lässt den Sound breiter, voller und wärmer klingen. Er eignet sich vor allem für lange, melodische Bassfiguren oder Solos, weniger geeignet ist er für schnell gespielte Riffs. Ausgesprochen gut kommt das Teil mit einem Bundlosbass rüber, so hat man das Gefühl, es spielen gleich fünf Bassisten die gleiche Passage, obwohl doch nur einer dort oben am Bühnenrand steht. Charakteristisch für den Sound ist die weiche Schwebung des Effektes.

Flanger

Der Flanger ist vom Aufbau her ähnlich wie der Phaser oder der Chorus. Alle diese Effekte beruhen auf Phasenverschiebung. Allerdings lässt sich eine Grenze zwischen dem Phaser und dem Flanger kaum eindeutig festlegen, sie ist eher fliessend. Der Flanger tönt wie ein extrem eingesetzter Chorus mit einem leicht flirrenden Ton. Am Besten ist dieser Effekt für Slappbass geeignet, denn die Modulationen sind wesentlich härter als beim Chorus.

Octaver

Der Octaver fügt dem Originalsignal eine oder zwei tiefere Oktaven hinzu. Einzeln gespielt kommt der Octaver synthibass-ähnlich rüber, vermischt mit dem Originalsignal wird das aber zu einem Sound mit viel Druck und Tiefbass. Problematisch ist das Aussetzen der tiefen Oktave bei unsauberem Spiel, oder dass die meisten Octaver nur bis zum "C" hinunterreichen.

Wah-Wah/Envelope Filter

Ein Effekt, der in den letzten Jahren wieder an Beliebtheit gewonnen hat. Es gibt zwei verschiedene Arten von Wah-Wah-Geräten, das manuelle oder das automatische. Das erste bedient man via Fuss, das zweite reagiert auf die Anschlagsstärke. In beiden Fällen wird das Eingangssignal durch einen Filter geschickt, welcher im Frequenzspektrum rauf- und runterfährt. Dadurch entsteht ein hundeähnliches Wau-Wau, was dem Gerät ja schlussendlich auch seinen Namen gegeben hat.

Exiter

Die Funktionsweise von Excitern beruht darauf, die im Eingangssignal vorhandenen Harmonischen (Obertöne) zu verstärken, bzw. zusätzliche Harmonische zu erzeugen. Verstärkte oder zusätzliche Obertönde haben zur Folge, dass ein Signal präsenter klingt, so wie bei einer reinen Höhenanhebung. Wenn man dem Bass-Signal zuviele Effekte zugeführt hat, kann man mit einem Eciter dem matten Bass-Sound seine Obertöne zurückbringen. Ein abgestumpfter Sound wirkt wieder echter, allerdings lässt sich mit einem Exiciter und einem 60er-Precision-Bass mit vier Jahren alten Saiten noch immer kein Warwick-Bass machen.

Gate

Ein Noise-Gate ist ein mit extremen Werten eingestellter Expander und schaltet damit bei Unterschreitung einer bestimmten Schwelle das Eingangssignal völlig ab. Noise-Gates werden zur völligen Unterdrückung von Hintergrundgeräuschen oder sonstigen Störungen eingesetzt. Bei Verwendung vieler Effektgeräte entsteht ein Rauschen, die Summe aller Rauschpegel jedes einzelnen Gerätes. Das Gate lässt den Sound nur durch, wenn ein Ton gespielt wird. Nach einer gewissen einstellbaren Zeit und in Pausen macht das Gate wieder dicht und nimmt so den ganzen Geräuschpegel weg. In der heutigen Zeit der Digitaltechnik findet dieser Effekt aber immer weniger Beachtung.

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