Electric Upright Bass zum Selberbauen?

21. Dezember 2010 von Thomas Breuss | 2 Kommentare

Das Schwierigste beim Kontrabass ist der Transport.

Dieser oft gehörte Satz hat den Tüftler Marc Hackelbörger dazu veranlasst, sich nach einer Alternative für den Kontrabass umzuschauen. Denn wenn immer man auf Reisen geht oder man über die Mittagszeit üben möchte, bekommt man mit einem Kontrabass - auch wenn man noch so leise spielt - kleinere oder grössere Probleme. Einen teuren elektrischen Standbass für einen Haufen Geld war für ein reines Übungsgerät zu teuer. Was liegt da näher, selbst Hand anzulegen und sich kurzentschlossen einen Standbass zusammen zu bauen?

Charakteristik

Das Instrument sollte folgende Eigenschaften aufweisen: leicht, kurz, günstig, robust und gut spielbar, kurz: praktisch. Zudem sollte das Instrument selber zusammenbaubar sein. Nur die Holz- und Schweissarbeiten sollen von einem Tischler, bzw. Schweisser erledigt werden.

Konstruktion

Die erste und schwierigste Überlegung galt natürlich dem Basshals. Ein professionell gefertigter Hals ist zu teuer, gleichzeitig kann man nicht nur irgendein Stück Holz nehmen. Die Lösung ist einfacher als man denkt, Details werden hier aber bewusst "verschwiegen". Das zuletzt ausgewählte Holz kann, aber muß nicht vom Tischler bearbeitet werden. Als Griffbrett probierte Marc Hackelbörger verschiedene Lösungen, problemlos könnte aber auch auf ein übliches Griffbrett aus Hartholz umgerüstet werden. Als Korpus wurde ein Stück eines einheimischen Holzes gewählt, welches an den Hals angeleimt wurde.

Hardware

Für die Saitenaufhängung unterhalb des Stegs kamen einfache und praktische Eigenkonstruktionen zum Einsatz, ähnlich wie wir es von unzähligen E-Bässen her kennen, also nichts besonderes. Die Saiten wurden so günstig wie möglich eingekauft. Der Sattel wurde aus Messing gefertigt, ebenfalls nichts besonderes. Die Entwicklung von platzsparenden Stimmmechaniken machte schon mehr zu schaffen, aber auch hier wurde eine kostengünstige wie auch denkbar einfache Lösung gefunden. Blieb nur noch der Steg und der Fuss, für die aber ebenfalls eine Lösung gefunden wurde.

Bespielbarkeit und Sound

An das neue Halsprofil muss man sich ein wenig gewöhnen, ist aber nach ein paar Tagen vergessen. Der Standbass ist mühelos bespielbar. Die linke Hand fällt automatisch in die Spielposition, die Finger der Greiffhand werden nicht übermässig gestreckt. Durch die Konstruktion der Körperhalterung ist der Standbass im Gegensatz zu einigen professionellen Standbässen besonders standfest. Die Kombination aus Sitzposition und extremem Vibratospiel lässt den Bass dann doch etwas wackeln. Über den Verstärker gespielt, dominiert im Klang der für Piezo-Pickups typische spitze Sound. Im Zusammenspiel mit dem magnetischen Pickup tritt dies zurück, und es entwickelt sich ein akustikbass- bis fretlessbass-ähnlicher Charakter. Je nach Position des versetzbaren PUs verbessern die zusätzlichen Mitten und Tiefen das Klangspektrum.

Fazit

Das gesteckte Ziel wurde mit Sicherheit erreicht. Der komplett durch Sparmassnahmen geprägte und pflegeleichte Standbass ist gut spiel- und streichbar. Es ist kein schönes Instrument, aber ein optimales Übungsgerät und kann auseinandergeschraubt in einer Akustikbass-Tasche transportiert werden. Unabhängig von Ort, Verkehrsmittel und Tageszeit benutzt in Marc Hackelbörger regelmässig und freut sich noch immer über das ausgesprochen gute Preis-Leistungs-Verhältnis: Kostenpunkt 150 Euro.

Bestellung

Wenn Ihr Interesse an einem Bauplan oder weiteren Ideen habt, so nehmt mit Marc Hackelbörger Kontakt auf. Er gibt gerne seine Erfahrungen weiter. Nach mehrmaligen Anfragen hat er nun einen Bauplan erstellt und kann Euch für 16 Euro den Bauplan, bestehend aus dem Konstruktionsplan, der Beschreibung und vierzehn digitalen Photos, senden.

Mail: K_Frohnes@web.de

Gepostet in: Blog
Tagged: Bass-Artikel, Instrumentenbau
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2 Kommentare

von axel noering am 27. April 2016 um 19:27 Uhr

Ich würde mir gerne so einen Kontrabassersatz bauen. Woher krieg ich den Bauplan?

slap on:Axel

von Thomas am 3. Mai 2016 um 15:15 Uhr

Hallo Axel, ich habe deine Anfrage weitergeleitet. Ich weiss allerdings nicht, ob die angegebene Mailadresse noch aktuell ist. Hoffen wir, dass er sich bei dir meldet.

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